4. Risk Assessment Tool

Dieses Kapitel soll als genereller und umfassender Überblick zur Bedienung des Risk Assessment Tool (RAT) dienen und als Manual verwendet werden können. Zu Beginn wird der Installationsprozess kurz erklärt (Abschnitt 4.1), danach werden in Abschnitt 4.2 und dessen Unterabschnitten der Startbildschirm und die wichtigsten Elemente des GUI aufgezeigt. Die Abschnitte Abschnitt 4.3 - Abschnitt 4.10 erläutern anschliessend die einzelnen Widgets des RAT und zeigen auf, wie das Tool zu bedienen ist. Das gesamte Kapitel bezieht sich auf dasselbe Beispiel, welches in den nachfolgenden Abschnitten Schritt für Schritt aufgebaut wird, und zeigt zum Schluss auch die daraus entstehenden Ergebnisse.

4.1. Installation

Das Risk Assessment Tool kann mit dem Windows Installer Executable RAT installiert werden. Nach dem Starten des Installations-Widgets kann den Anweisungen auf dem Display gefolgt werden.

Nach der erfolgreichen Installation kann das Tool durch das erstellte Icon im Startmenü oder auf dem Desktop gestartet werden.

4.2. Startbildschirm

Nach dem Aufstarten des Risk Assessment Tools erhält man den in Abb. 4.1 dargestellten Zustand des Tools. Dieser Zustand ist der Default Zustand und wird nach dem Starten von RAT angezeigt oder kann durch die Kombination Datei/Neu ebenfalls hergestellt werden.

Links oben sieht man das Dateimenü, direkt darunter den Schnellzugriff (Abschnitt 4.2.2). Auf der Linken Seite wird in einer Tree View der Aufbau des Tools gezeigt (Abschnitt 4.2.1), darin kann mit einem Linksklick zwischen den einzelnen Widgets gewechselt werden. Zentral wird das jeweilige Widget angezeigt. Rechts kann man die, mit dem Hilfe-Icon ein- und ausklappbare, Hilfeleiste sehen.

Startbildschirm

Abb. 4.1 Startbildschirm

4.2.1. Tree View

Am linken Rand des Risk Assessment Tools wird der Aufbau des Tools mit einer Tree View dargestellt. Abb. 4.2 zeigt die Tree View für ein bereits erstelltes und evaluiertes Projekt.

Tree View

Abb. 4.2 Tree View

Bestimmte Elemente der Ansicht haben ein Rechtsklick-Kontextmenu, mit welchem bei einzelnen Punkten neue Unterpunkte hinzugefügt oder auch Elemente gelöscht werden können. Mit einem Linksklick kann jeweils das dem Punkt entsprechende Widget geöffnet werden. Die Abschnitte Abschnitt 4.3 - Abschnitt 4.8 zeigen die einzelnen Punkte der Tree View und deren Widgets im Detail.

4.2.2. Schnellzugriff

Das Risk Assessment Tool verfügt am oberen, linken Rand über eine Schnellzugriffsleiste. Darin sind sechs Funktionen durch entsprechende Icons schnell und einfach aufzurufen. Abb. 4.3 zeigt die Leiste mit den sechs Icons.

Schnellzugriff

Abb. 4.3 Schnellzugriff

Darin enthalten sind von links nach rechts:

  • Hinzufügen Experte: Der Schnellzugriff für das Hinzufügen eines Experten erweitert die Liste der Experten um eine weitere Person. Abschnitt 4.5 geht weiter auf das Experten-Widget und dessen Interface ein.

  • Hinzufügen technischer Parameter: Mit dem Parameter-Icon kann ein weiterer, für das spezifische Projekt relevanter, technischer Parameter hinzugefügt werden. Standardmässig sind jedoch die beiden, für ein Geothermieprojekt ausschlaggebenden Parameter, bereits hinzugefügt. Abschnitt 4.6 zeigt das Parameter-Interface im Detail.

  • Hinzufügen Methode: Mittels dem Methoden-Icon können neue Methoden zu dem Projekt hinzugefügt werden, sodass sie in den Evaluationsprozess miteinbezogen werden. In Abschnitt 4.7 wird das Methoden-Widget im Detail erläutert.

  • Evaluieren: Mit dem Betätigen des Evaluieren-Icons wird aus den angegebenen Projektparametern und anderen Angaben die Ausgabe berechnet. Es werden die im Abschnitt 4.8 dargestellten Widgets produziert.

  • Exportieren: Durch Exportieren wird von den aktuellen Ergebnissen ein PDF erstellt. Nach Angabe eines Dokumentnamens und Bestätigung der erneuten Berechnung wird das PDF erstellt, am angegebenen Ort gespeichert und in einem temporären PDF-Viewer in RAT geöffnet.

  • Hilfe: Mittels dem Hilfe-Icon lässt sich am rechten Rand ein Hilfebereich ein- und ausklappen, in welchem zusätzliche Informationen zum aktuell geöffneten Fenster dargestellt werden.

4.3. Projekt

Die Eingabe eines neuen Projektes startet auf der obersten Ebene der Tree View. Hier wird im Reiter Projekt der Projektname angegeben. Des Weiteren können in einer Beschreibung allgemeine Informationen zum Projekt festgehalten werden. Abb. 4.4 zeigt den Reiter für die Eingabe des Beispiel-Projektes. In der Abbildung ist weiter ersichtlich, dass der zurzeit ausgewählte Reiter in der Tree View grau hinterlegt wird, dies soll die Orientierung, besonders bei umfangreichen Projekten, erleichtern.

Widget für die allgemeine Eingabe des Projekts

Abb. 4.4 Widget für die allgemeine Eingabe des Projekts

4.4. Ökonomische Parameter

Nachfolgend auf die Eingabe des Projektes werden im Reiter Ökonomische Parameter einige der in Abschnitt 3 erläuterten Kennzahlen eingetragen. In Abb. 4.5 sind die Eingabemöglichkeiten ersichtlich.

Widget für die Eingabe der ökonomischen Parameter

Abb. 4.5 Widget für die Eingabe der ökonomischen Parameter

Es werden die Parameter Nettobarwert (NPV), Abbruchkosten (ABK) und die Durchführbarkeitsschwelle in CHF angegeben. Abschnitt 3.1 erläutert diese drei Parameter im Detail.

4.5. Experten

Es muss nun dem Projekt mindestens ein Experte hinzugefügt werden, dies mittels dem Icon im Schnellzugriff oder einem Rechtsklick auf dem Reiter Experten. Es wird das in Abb. 4.6 dargestellte Widget hinzugefügt.

Widget eines neuen Experten

Abb. 4.6 Widget eines neuen Experten

Im oberen Bereich des Widgets können nun Angaben, wie Name und E-Mail-Adresse, zum entsprechenden Experten oder der entsprechenden Expertin eingegeben werden. Der untere Bereich des Widgets dient zur gesammelten Betrachtung aller Eingaben die dieser Experte/ diese Expertin in den nachfolgenden Widgets zu den technischen Parametern und Methoden getätigt hat. Abb. 4.7 zeigt beispielhaft einen ausgefüllten oberen Bereich für einen Muster-Experten.

Ausgefülltes Widget eines Experten

Abb. 4.7 Ausgefülltes Widget eines Experten

4.6. Technische Parameter

In einem nächsten Schritt werden die für das Projekt relevanten technischen Parameter hinzugefügt. Standardmässig sind die für ein Geothermieprojekt verwendeten technischen Parameter Temperatur und Transporteigenschaften bereits beim Default Zustand hinzugefügt. Sollte der User jedoch trotzdem einen weiteren Parameter hinzufügen wollen, so kann dies mittels dem Icon im Schnellzugriff oder Rechtsklick auf den Reiter Technische Parameter getan werden.

In Abb. 4.8 ist ein ausgefülltes Widget für den technischen Parameter Temperatur ersichtlich. Die Eingabe erfolgt durch die jeweiligen, im zentralen Feld ersichtlichen Experten, die im vorangegangenen Experten-Widget eingegeben wurden.

Widget eines technischen Parameters

Abb. 4.8 Widget eines technischen Parameters

Wie in Abb. 4.8 ersichtlich, können im Hauptfenster des Parameter-Widgets die Experten ihre Einschätzung der Ist-POS des jeweiligen technischen Parameters eingeben, also die POS bevor eine einzige der zu betrachtenden Explorationsmethoden angewendet wurde. Dabei kann eine Zahl zwischen 0 und 100 eingegeben werden. Wie in Abschnitt 3.2 erläutert, wird dann für jeden Parameter die Ist-POS als der Mittelwert aller Expertenmeinungen gebildet. Dieser Wert ist direkt über dem Eingabebereich ersichtlich.

4.7. Methoden

Das Ziel von RAT ist es, wie in der Einleitung festgehalten, Prospektionsmethoden auf ihre Eignung für eine Explorationskampagne hin zu untersuchen. Um diese Methoden in einem RAT-Projekt zu untersuchen, müssen sie nun hinzugefügt werden. Dies kann mit dem Icon im Schnellzugriff oder erneut mittels Rechsklick auf den Reiter Methoden geschehen. Es wird ein leeres Methoden-Widget hinzugefügt, in welchem man nun den Namen der Methode eingeben kann, sowie die Cost of Information (CoI), bzw. die kompletten Methodenkosten, also die gesamten Kosten, welche bei der Anwendung dieser einen Methode entstehen würden.

Im zentralen Bereich des Widgets sind die für das Projekt angegebenen technischen Parameter ersichtlich. Da nicht jede Methode jeden der technischen Parameter betrifft, können hier durch das Setzten von Kreuzen den Methoden ihre entsprechenden Parameter zugeordnet werden. Weiter kann, falls gewünscht, noch eine Beschreibung der Methode hinzugefügt werden. In Abb. 4.9 ist ein ausgefülltes Methoden-Widget für die Explorationsmethode Slim Hole ersichtlich.

Widget einer Explorationsmethode

Abb. 4.9 Widget einer Explorationsmethode

Auf dem Reiter Methoden kann nun noch die Abhängigkeit der einzelnen Methoden zueinander festgelegt werden. Genauer heisst dies, dass zum Beispiel die Ergebnisse einer 2D Seismik und einer 3D Seismik sich gegenseitig beeinflussen würden, weshalb man nur eine der beiden Methoden durchführen würde, aber nie beide in der gleichen Messkampagne. Deshalb wären die beiden Methoden auf Abhängig zusetzten. Eine Slim Hole Bohrung und eine Gravimetrie würden sich aber wenig bis gar nicht beeinflussen, könne deshalb auf Unabhängig gesetzt werden. Wenn wir die Möglichkeit einbeziehen wollen, zwei (oder mehr) Methoden zu kombinieren, die Abhängig sind, führen wir sie als neue Methode auf, z.B. Seismik 2D und Seismik 3D. Abb. 4.10 zeigt die Abhängigkeitstafel für das verwendete Beispiel. Änderungen könne durch klicken auf die rechte Spalte vorgenommen werden.

Angabe der Abhängigkeit oder Unabhängigkeit von Methoden

Abb. 4.10 Angabe der Abhängigkeit oder Unabhängigkeit von Methoden

4.7.1. Methode bewerten

Das Setzen der Kreuze für die durch die Methode beurteilbaren technischen Parameter hat in der Tree View bei der Methode jeweils ein neues Widget für jeden der ausgewählten Parameter hinzugefügt.

In diesem neuen Widget kann nun die Methode auf ihre Sensitivität und Spezifität für den jeweiligen technischen Parameter bewertet werden. Abb. 4.11 zeigt ein leeres Widget für den Parameter Temperatur unter der Methode Slim Hole. Für eine Erläuterung der Begriffe Sensitivität und Spezifität wird hier auf Abschnitt 2.1 verwiesen.

Angeben der Sensitivität und Spezifität einer Methode für einen technischen Parameter

Abb. 4.11 Angeben der Sensitivität und Spezifität einer Methode für einen technischen Parameter

Die Eingabe der Experten erfolgt erneut in Zahlen zwischen 0 und 100. Sollte ein Experte keine Meinung zu diesem Parameter bei dieser Methode haben, so kann er auch keine Angabe tätigen, es sollte dann ein Strich bei seiner Eingabe stehen. Die Eingabe des Striches kann durch herunterscrollen auf der Eingabe wieder hergestellt werden.

4.8. Ergebnisse

Sind alle benötigten Angaben getätigt worden, kann mit dem grünen Icon in der Schnellzugriffsleiste die Evaluation des Projektes durchgeführt werden. Vor der Evaluation sollten jedoch folgende Eingaben kontrolliert werden:

  • Der Net Present Value und die Abbruchkosten sind angegeben. Die Durchführbarkeitsschwelle ist entweder auf null gesetzt oder auf einen anderen Wert.

  • Alle angegebenen Prospektionsmethoden sind mit einer Cost of Information versehen.

  • Mindestens ein Experte wurde dem Projekt hinzugefügt und hat Aussagen zu der Ist-POS getätigt.

  • Bei jeder der Methoden wurde mindestens durch einen Experten eine Aussage zur Sensitivität und Spezifität getätigt.

Das Betätigen des Evaluations-Icons führt zur Generierung von verschiedenen Ergebnis-Widgets, die nachfolgend im Detail erläutert werden.

Wird nach dem Evaluieren eine Eingabe geändert, so werden die in der Tree View angezeigten Widgets rot hinterlegt, um den Benutzer darauf aufmerksam zu machen, dass die Widgets nicht aktuell sind und reevaluiert werden sollten.

4.8.1. Übersicht

Das oberste der Ergebnis-Widgets bietet eine Übersicht über einige der berechneten Parameter. Für die Theorie hinter den Berechnungen verweisen wir an dieser Stelle auf Abschnitt 2 und Abschnitt 3. In Abb. 4.12 ist das Übersichts-Widget für das bereits in den vorangegangenen Abschnitten verwendete Beispiel zu sehen.

Ergebnisse Übersichts-Widget

Abb. 4.12 Ergebnisse Übersichts-Widget

Das Widget ist in vier Blöcke gegliedert, welche auch mit Überschriften markiert sind. Als Erstes wird die Evaluation des Ist-Zustandes aufgezeigt. Die aus den Expertenmeinungen berechneten POS der technischen Parameter zum Ist-Zustand werden noch einmal dargestellt und der daraus berechnete EMV wird ebenfalls angegeben.

Darunter wird für den Ist-Zustand ein in Tabellenform dargestellter Entscheidungsbaum aufgezeigt. Er enthält erneut den EMV des Zustands und die daraus resultierende Einschätzung des Zustands. Der Begriff Bohren steht hier allgemein für die Empfehlung der Fortsetzung des Projekts aufgrund des berechneten EMV.

Der dritte Abschnitt zeigt einen zusammenfassenden Vergleich der Methoden, einzeln oder auch kombiniert. Dabei werden die kumulierten Kosten der Methoden, die VoI der einzelnen Methoden und Kombinationen sowie die Ratio als Verhältnis der Value of Information (VoI) zur CoI dargestellt (Abschnitt 4.8.3).

Der letzte Abschnitt listet die Methoden und deren Kombinationen in absteigender Reihenfolge des EMV auf, was die Bestimmung des besten EMV erleichtert.

4.8.2. POS

Das POS-Widget zeigt in einem Plot den Vergleich der gesamten POS nach einer Methode oder auch der Kombination mehrerer Methoden. In Abb. 4.13 ist der Plot für das verwendete Beispiel ersichtlich. Die rote Linie repräsentiert dabei den alten POS des Ist-Zustands vor allen Methoden.

Widget mit Plot der POS der einzelnen Methoden und deren Kombinationen

Abb. 4.13 Widget mit Plot der POS der einzelnen Methoden und deren Kombinationen

Nachfolgend werden zwei Beispiele aus dem Plot genauer betrachtet, die auch in den darauffolgenden Abschnitten als Beispiele dienen sollen.

Die ersten beiden Balken in Abb. 4.13 sind für die Explorationsmethode Slim Hole, wenn sie als einzelne Methode, also nicht in Kombination mit anderen Methoden, durchgeführt wird. Blau steht für die POS, wenn die Methode eine vorteilhafte Aussage über das Gebiet getroffen hat, Orange für eine unvorteilhafte Aussage.

Mit anderen Worten, würde man die Methode Slim Hole anwenden und diese würde eine unvorteilhafte Aussage über das Gebiet liefern, so kann man den neuen POS auf ca. \(5\%\) berechnen, was dafür spricht, dass die Methode sehr genau erkennen kann, ob ein Gebiet ungeeignet ist.

Slim Hole mit 2D Seismik

Das fünfte Balkenpaar von links steht für die Kombination der Explorationsmethoden Slim Hole und 2D Seismik, also wenn man die beiden Methoden hintereinander ausführt. Gut zu erkennen ist, wie die 2D Seimsik die POS für den Fall einer unvorteilhaften Aussage noch weiter nach unten bringt und für den Fall einer vorteilhaften Aussage noch weiter nach oben.

Dies würde heissen, dass die Kombination der beiden Methoden in beiden Fällen eine sehr genaue Aussage treffen kann. Anzumerken ist, dass diese POS jeweils die Extrema der Aussagen darstellen, also zweimal eine unvorteilhafte Aussage hintereinander oder zweimal eine vorteilhafte Aussage nacheinander. Für alle Fälle dazwischen kann das entsprechende Widget im Reiter Entscheidungsbaum (Abschnitt 4.8.5) konsultiert werden.

4.8.3. Ratio

Das Ratio-Widget zeigt für die einzelnen Methoden, bzw. deren Kombinationen, den Ratio, welcher als

\[\text{Ratio} = \frac{\text{VoI}}{\text{CoI}},\]

aus der Value of Information und der Cost of Information berechnet wird. Mit der Ratio kann der Informationsgewinn in Verhältnis zu den Kosten der Information dargestellt werden. Daraus lassen sich allgemein folgende Erkenntnisse ableiten:

  • \(\text{Ratio} > 100\%\), VoI ist grösser als die CoI

  • \(\text{Ratio} < 100\%\), VoI ist kleiner als die CoI

  • \(\text{Ratio} < 0\%\), VoI ist negativ

In Abb. 4.14 ist für das verwendete Beispiel der Ratio-Plot dargestellt.

Widget mit Plot der Ratio der einzelnen Methoden und deren Kombinationen

Abb. 4.14 Widget mit Plot der Ratio der einzelnen Methoden und deren Kombinationen

4.8.4. EMV und EMV Vergleich

Die beiden Widgets, welche auf den Ratio-Plot folgen, stellen beide den EMV dar. Jedoch zwei unterschiedliche EMVs. Das erste Widgets zeigt den effektiven EMV, das zweite Widget den EMV, wenn eine Methode angewendet wird und eine Aussage über das Gebiet trifft. Was dies genau bedeutet, soll anhand des bereits zuvor verwendeten Beispiel aufgezeigt werden.

Die Abbildungen Abb. 4.15 und Abb. 4.16 zeigen einen Entscheidungsbaum für die Methode Slim Hole in zwei Stadien der Evaluation. In Abb. 4.15 ist dargestellt, wie von einem Ist-Zustand ausgegangen wird, der mit einer EMV nach Abschnitt 3.3 charakterisiert wird. Von diesem Punkt ausgehend wird der Baum, wie in Abschnitt 2.2.2 gezeigt aufgebaut. An jedem Ende der Äste erhält man einen neuen (oder auch alten) EMV. Dies ist das erste Stadium des Entscheidungsbaums.

Entscheidungsbaum für die Methode Slim Hole

Abb. 4.15 Entscheidungsbaum für die Methode Slim Hole

Nun wird der Entscheidungsbaum von rechts aus evaluiert, wobei nach links gehend die Äste gegeneinander verglichen werden, woraus am Entscheidungsknoten der EMV effektiv entsteht. Dieses Vorgehen wird auch in Abschnitt 2.2.2 und Abb. 2.2 gezeigt. Es wird immer der grössere der beiden vorangehenden EMV übernommen, da ein grösserer (positiverer) EMV eine positive Assoziation hat. Dies wird bis zum Startknoten auf der linken Seite wiederholt. Die nachfolgende Abb. 4.16 zeigt den vorherigen Entscheidungsbaum mit den ausgefüllten EMV effektiv.

Entscheidungsbaum für die Methode Slim Hole mit effektiven EMVs

Abb. 4.16 Entscheidungsbaum für die Methode Slim Hole mit effektiven EMVs

Mit diesen Erkenntnissen können nun die beiden Plot-Widgets für die EMV analysiert werde. Das erste Widget zeigt, wie erwähnt, den Vergleich der effektiven EMV einer Methode, bzw. deren Kombinationen. Auf den Entscheidungsbaum bezogen ist dies der EMV, den man am linken Rand, nachdem man den ganzen Baum von rechts nach links abgearbeitet hat, erhält. Er ermöglicht es, die ganz zu Beginn gegebenen Methodenpfade/Kombinationspfade miteinander zu vergleichen. Wie in Abb. 4.17 ersichtlich, werden die effektiven EMV auch in Relation zum alten EMV (rote Linie) gezeigt.

Als Beispiel soll erneut die Methode Slim Hole dienen. Der in Abb. 4.17 dargestellte EMV effektiv der Explorationsmethode Slim Hole beträgt, nachdem man den in Abb. 4.16 gezeigten Entscheidungsbaum von rechts nach links analysiert hat, ca. \(1.75 \text{Mio CHF}\), was unter dem alten EMV liegt.

Widget mit Plot der effektiven EMV der einzelnen Methoden und deren Kombinationen

Abb. 4.17 Widget mit Plot der effektiven EMV der einzelnen Methoden und deren Kombinationen

Der zweite EMV Plot zeigt nun den Vergleich des EMV für eine vorteilhafte und eine unvorteilhafte Aussage, wie sie in Abb. 4.16 auf der zweiten Ebene, bei dem Entscheidungsknoten Slim Hole durchführen vorkommt.

Widget mit Plot der EMV der einzelnen Methoden und deren Kombinationen für vorteilhafte und unvorteilhafte Aussagen

Abb. 4.18 Widget mit Plot der EMV der einzelnen Methoden und deren Kombinationen für vorteilhafte und unvorteilhafte Aussagen

EMV vorteilhaft/unvorteilhaft Slim Hole

Erneut soll das erste Balkenpaar des Plots als Beispiel dienen. Wie in Abb. 4.18 ersichtlich werden die beiden EMV für eine vorteilhafte und unvorteilhafte Aussage der Methode miteinander verglichen, sowie in Relation zum alten EMV (rote Linie) dargestellt. Der Plot kann nun wie folgt interpretiert werden:

  • blauer Balken: die Methode liefert eine vorteilhafte Aussage über das Gebiet bzw. den Parameter, der EMV steigt weit über den alten EMV

  • oranger Balken: die Methode liefert eine unvorteilhafte Aussage über das Gebiet bzw. den Parameter, der EMV sinkt und wird negativ

4.8.5. Entscheidungsbaum

Der letzte Reiter unter den Ergebnissen stellt nun die bereits im vorangegangenen Abschnitt angesprochenen Entscheidungsbäume in einer möglichst kurzen und übersichtlichen Art dar. Für jede Methode und jede Kombination von Methoden wird ein eigenes Sub-Widget erstellt, in welchem der jeweilige Entscheidungsbaum in Text-Form dargestellt wird. Die Gesamtheit der Entscheidungsbäume wird in Tabellenform im Reiter Entscheidungsbaum dargestellt.

Es wird weiter unterschieden zwischen unbedingten Kombinationen (nicht markiert) und bedingten Kombinationen (markiert), also Kombinationen, bei denen die Reihenfolge, in der die Methoden ausgeführt werden, eine Rolle spielt. Dabei werden alle Permutationen der Kombination untersucht und danach Möglichkeiten, welche keinen Sinn ergeben, entfernt. Es bleiben einige bedingte Kombination übrig, die in Einzelfällen auch das gleiche Ergebnis wie die unbedingten Kombinationen liefern können.

Für die Namen der Kombinationen werden aus den Namen der Methoden Abkürzungen gebildet, die in der Regel die ursprüngliche Bezeichnung gut wiedergeben. Abb. 4.19 zeigt für das bereits zuvor verwendete Beispiel mit den vier Methoden Slim Hole, Seismik 2D, Seismik 3D und Gravimetrie wie die Widgets der Entscheidungsbäume dargestellt werden.

Entscheidungsbäume in der Tree View

Abb. 4.19 Entscheidungsbäume in der Tree View

Klickt man nun mit einem Linksklick auf den obersten Reiter Entscheidungsbaum so wird ein Widget mit Entscheidungsbäumen für alle möglichen Konfigurationen von Methoden in Tabellenform dargestellt. Abb. 4.20 zeigt einen Ausschnitt für das verwendete Beispiel, nachfolgend soll beispielhaft der erste Schritt interpretiert werden.

Entscheidungsbaum Tabellenform Slim Hole Abb. 4.20

  • Die Überschrift des Abschnittes in der Tabelle gibt die betrachtete Methode wieder. In diesem Fall Slim Hole.

  • Als erstes werden die Ist-POS der technischen Parameter wiedergegeben, mit der daraus berechneten gesamt POS und dem daraus folgenden EMV. Hier wurden die Parameter mit \(72\%\) und \(66\%\) bewertet, was im Mittelwert einen gesamt POS von \(48\%\) ergibt. Der EMV berechnet sich draus zu CHF \(1'834'244\).

  • Darunter beginnen nun die Entscheidungsbäume. Da die Methode Slim Hole in diesem Beispiel Aussagen über beide technischen Parameter geben kann, werden immer beide Parameter betrachtet. In der Tabelle wird nun also die Methode Slim Hole aus die Parameter Temperatur und Transporteigenschaften angewendet. Der Befund ist zweimal Geeignet.

  • Als Nächstes werden die aus diesen Aussagen berechneten neuen POS der Parameter dargestellt. In diesem Spiel führt die doppelte Aussage Geeignet dazu, dass die beiden Parameter-POS auf \(97\%\) und \(93\%\) steigen. Dies lässt sich aus den Sensitivitäten und Spezifitäten gemäss Abschnitt 3.5 berechnen. Die Wahrscheinlichkeit dieser Aussage beträgt \(45\%\) und die gesamt POS kann erneut als der Mittelwert der Parameter-POS berechnet werden.

  • Mit der neuen gesamt POS kann nun ein neuer EMV berechnet werden, der EMV Fortsetzung. Ist dieser grösser als die Durchführbarkeitsschwelle, so wird die Empfehlung ausgegeben, das Projekt fortzusetzen.

  • Dieses Vorgehen wird nun für alle Möglichkeiten der Kombination von Aussagen wiederholt und danach für jede einzelne Methode und deren Kombinationen erneut wieder.

Ausschnitt für die Methode Slim Hole aus der Übersicht der Entscheidungsbäume im Entscheidungsbaum-Widget

Abb. 4.20 Ausschnitt für die Methode Slim Hole aus der Übersicht der Entscheidungsbäume im Entscheidungsbaum-Widget

Das im Beispiel erläuterte Vorgehen kann durch das Wechseln zum entsprechenden Widget der Methode unter dem Reiter Entscheidungsbaum auch in Text-Form dargestellt werden. In Abb. 4.21 ist das dem vorangehenden Beispiel entsprechende Widget gezeigt. Es werden die gleichen Inhalte, jedoch in Text-Form gezeigt. Zum Abschluss des Textes wird noch der effektive EMV dieser Methode bzw. bei anderen Widgets der Kombination angegeben.

Ausschnitt des Entscheidungsbaums für die Methode Slim Hole

Abb. 4.21 Ausschnitt des Entscheidungsbaums für die Methode Slim Hole

Die selben Inhalte werden generiert für Kombinationen, bedingt oder unbedingt, von mehreren Methoden. Abb. 4.22 zeigt einen solchen Text für die unbedingte Kombination der Methoden Slim Hole und Seismik 2D.

Ausschnitt des Entscheidungsbaums für die Methode Slim Hole in Kombination mit einer 2D Seismik

Abb. 4.22 Ausschnitt des Entscheidungsbaums für die Methode Slim Hole in Kombination mit einer 2D Seismik

4.9. Exportieren

Wurde das Projekt evaluiert, so kann mit dem Exportieren-Icon des Schnellzugriffs ein zusammenfassendes PDF der Evaluation erstellt und gespeichert werden. Das PDF wird zusätzlich in einem temporären PDF-Viewer innerhalb von RAT angezeigt. Der Viewer wird aber beim Wechsel des Widgets automatisch geschlossen.

4.10. Speichern und Laden

Die Angaben, welche man in RAT tätigt, können auch als Datei gespeichert werden, um zu einem späteren Zeitpunkt erneut geladen zu werden. Speichern und Laden können via Datei oben links erreicht werden.